Hitzewelle beendet

Temperatur-Sturz in die Normalität

von Redaktion

von Josef Ametsbichler und Susanne Stockmann

München – Schon gestern zwickte es die Wetterfühligen in Bayern in den Knochen, denn es kündigte sich ein Umschwung an. Wie von den Meteorologen vorhergesagt, hat sich die Hitzewelle nach über zwei Wochen Gastspiel im Freistaat verzogen – vertrieben von Schauern, Blitz und Donner, die gestern Abend gemeinsam mit einem Schwall kühler Atlantik-Luft, die Bayern von Westen nach Osten überrollte, die Menschen aus den Biergärten verscheuchten.

Weil es der Sommer zuvor am Nachmittag noch einmal so richtig wissen wollte, mit Temperaturen in der Region von bis zu 34 Grad, verpasst der Witterungswechsel den Oberbayern einen Kälteschock, mit einem Temperatursturz über Nacht von um die 15 Grad. Normal ist das nicht – und irgendwie doch: „Ungewöhnlich ist nicht diese Kaltfront, sondern die Hitzewelle davor“, sagt der Meteorologe Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Unter einer Wolkendecke, aus der es immer wieder Regenschauer setzen kann, ist der Freitag der ideale Tag, um kräftig durchzulüften: Der DWD-Experte prognostiziert für heute Temperaturen zwischen 17 und 23 Grad – so „kühl“ war es zuletzt nur nachts.

Für den Körper ist dieser Temperatursturz Wohltat und Belastung zugleich, erklärt Wolz’ DWD-Kollege Andreas Matzarakis. Er ist auf medizin-meteorologische Forschung spezialisiert, untersucht also, wie sich das Wetter auf den menschlichen Körper auswirkt. „20 bis 25 Grad sind für den Körper ideal“, sagt Matzarakis.

Die Abkühlung tut also merklich gut. Und: „Prinzipiell kommt der Körper dank seiner großen Anpassungsfähigkeit gut damit zurecht“, ergänzt der Bio-Meteorologe. Jedoch könne es bei wetterfühligen Menschen – darunter Senioren oder jenen, die an chronischen Erkrankungen wie Asthma, Migräne oder Kreislaufproblemen leiden – zu vorübergehenden Anpassungsschwierigkeiten kommen. Diese könnten sich gesundheitlich in Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder rheumatischen Beschwerden niederschlagen.

Wetterfühlig reagiert übrigens dem Forscher Matzarakis zufolge gut jeder Zweite, darunter spüren gut 15 Prozent einen Wetterumschwung bereits im Voraus. Mehr Frauen als Männer geben an, dass ihnen das Wetter regelmäßig zu schaffen macht. Ältere sind häufiger betroffen als Junge. „Mit dem Alter nehmen chronische Erkrankungen zu, auch Stress hat einen großen Einfluss“, sagt Matzarakis. „Welche Mechanismen im Körper ablaufen, wissen wir nicht immer genau.“ Dass das Wetter jedoch eine Wirkung hat, sei mittlerweile, auch wenn es skeptische Stimmen gebe, in vielen Studien nachgewiesen.

Doch das Leiden, das viele Menschen in diesen Tagen heimsucht, ist, wenn man so will, für den guten Zweck. „Insgesamt ist die Abkühlung mehr Erleichterung als Belastung“, sagt Matzarakis. Das werde sich nicht zuletzt in den leerer werdenden Notaufnahmen der Krankenhäuser und Wartezimmern der Arztpraxen bemerkbar machen.

Denn eine Krankheitswelle mit Erkältungen, Grippe und sonstigen Winter-Zipperlein ist ebenfalls nicht zu erwarten. Schon am Samstag wird es laut DWD-Meteorologe Wolz mit 21 bis 27 Grad bayernweit wieder wärmer. Am Sonntag feiert der Hochsommer dann ein vorübergehendes Comeback mit 26 bis 31 Grad.

Das nicht lange dauern wird: Der in unseren Breitengraden eigentlich übliche Wechsel von Hitze- und Abkühlungsphasen dürfte sich demnächst wieder eingespielt haben. Zum Anfang der kommenden Woche wird es dem DWD zufolge wechselhaft. Die ganz große Hitzewelle ist für dieses Jahr ausgestanden. Nur regnen muss es noch, viel und ausdauernd, damit sich die Natur von der Dürre erholen kann.

Artikel 10 von 10