Los Angeles/Washington – Für Mexikaner sind gruselige Kostüme Ende Oktober ein Muss. Sie feiern der „Tag der Toten“ – mit Totenschädeln aus Zuckerguss und fröhlich gruseligen Umzügen – das Fest, das sie am Samstag in Los Angeles feierten, erinnert an einen Karneval der Toten.
Ansonsten geht es in den USA an Halloween eher ums Gruseln, Horror hat Konjunktur. Viele der Halloween-Bräuche erinnern an Fasching, allerdings an einen gruseligen: Unheimliche Clowns, Vampire und Zombies machen Straßen und Partys unsicher, im Fernsehen laufen neue Grusel- und Katastrophenfilme. Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn man sich gruselt?
Das Angstzentrum: Ein markerschütternder Schrei, ein heranfliegender Stein – Menschen reagieren instinktiv auf potenzielle Bedrohungen, ducken sich weg, schützen den Kopf mit den Armen. Hierbei hilft die Amygdala, das aus einem Bündel Neuronen bestehende, mandelförmige Angstzentrum über dem Stammhirn. Sofort nach dem Eintreffen der sensorischen Reize im Thalamus gelangen sie an die Amygdala und werden von dort aus weitergeleitet – auf zweierlei Wegen.
Der schnellere der beiden Wege funktioniert wie der Bewegungsmelder einer Alarmanlage und setzt spontan Reaktionen im ganzen Körper in Gang. Erstarren, Fliehen oder Kämpfen sind die Optionen, die je nach Bedrohung folgen. Und zwar noch bevor die Gefahr genau identifiziert wird.
Das Signal gelangt aber auch über einen Sekunden-Bruchteile langsameren „Umweg“ zum sensorischen Kortex. Dieser Hirnbereich verschafft ein einordnendes Bild über die potenzielle Bedrohung, und verstärkt dann die Abwehrreaktion oder entlarvt sie als Fehlalarm.
Dabei betont der Neurowissenschaftler Joseph LeDoux, Angst beim Menschen sei mehr als das Empfinden von Bedrohung. „Angst ist ein Konzept im Gehirn.“ Die Chemie der Angst: Die Erwartung, dass uns Schlimmes zustoßen kann, setzt eine chemische Kaskade in Gang. Vor allem über den Botenstoff Glutamat werden Alarmsignale in andere Hirnteile wie den Hypothalamus und in den Körper gestreut. Das Nebennierenmark stößt große Mengen des aufputschenden Stresshormons Adrenalin aus, der Blutzuckerspiegel steigt, das Herz schlägt schneller und die Hände werden feucht.
Bleibt das Schlimmste dann aber aus, strömt das beruhigende Wohlfühlhormon Endorphin durch den Körper. Dieser Hormonmix ist es, den viele Menschen am Grusel-Gefühl mögen – denn er kann selbst bei der Gespensterstory vor dem Kamin einsetzen.
Hitliste der Albträume, die manche Menschen immer wieder verfolgen: Kinder träumen am häufigsten von Aggression und Gewalt (45 Prozent), Unfällen (29), Verfolgungsjagden (23) und Katastrophen (4). Erwachsene erleben Albträume von Flucht und Verfolgungsjagden (26 Prozent), Gewalt (20), Körperanomalien (17) und Misserfolgen (7). Wiederkehrende Träume mit positiven Themen haben Mädchen und Frauen wesentlich häufiger als Jungen und Männer. Andrea Barthélémy