Hoffnung nach dem Sturm

von Redaktion

Turbulente Tage beim FC Bayern – nun sollen sportliche Schlagzeilen folgen

VON DANIEL MÜKSCH

München – Die Tage des Donners sind vorüber. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben ihren Plan umgesetzt und Deutschland mit einem epochalen Torwarttornado in Atem gehalten. Leichte Ausläufer sind in den nächsten Tagen und Wochen zwar weiter zu erwarten, das Auge des Sturms ist aber weitergezogen.

Nun wird sich auf dem Rasen zeigen, ob die Taktik der Führung des FC Bayern den erhofften Erfolg bringt. Da die Bosse inhaltlich auf äußerst wackeligen Füßen stehen, können Hoeneß und Rummenigge sich nur erhofft haben, dass ihre Attacke gegen den Rest der Fußballwelt Mannschaft und Verein zusammenschweißt. Treu dem Motto: Auf geht’s, Jungs – den zeigen wir es jetzt.

In München ist nämlich nicht nur Wiesn-Beginn, sondern auch richtungsweisende Woche für den Rekordmeister, der an diesem Samstag mit der Partie gegen den 1. FC Köln startet. Sportlich war der Start in die Saison bisher in Ordnung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Auf einen holprigen Bundesligaauftakt (2:2) gegen die bis heute noch sieglose Hertha folgten ein souveräner Auftritt auf Schalke (3:0), sowie ein Kantersieg gegen indisponierte Mainzer (6:1), die ähnlich chancenlos agierten wie Roter Stern Belgrad (3:0) beim Münchner Chamions-League-Auftakt.

Der bisherige Saisonhöhepunkt, das Spiel gegen Leipzig, brachte ebenfalls keine bahnbrechende neue Erkenntnis zur Verfassung des Double-Gewinners. Eine beeindruckend starke Halbzeit, gefolgt von einem deutlichen Leistungsabfall in den zweiten 45 Minuten. So richtig wussten selbst die Spieler nichts mit dem Punkt (1:1) anzufangen. Auch Trainer Niko Kovac wandelte zwischen den Gefühlswelten: „Wir sind enttäuscht und verärgert. Aber das Positive: Wir haben richtig gut gespielt.“ Die nächsten Wochen müssen nun zeigen, ob der Club nach den Sternen greifen kann oder die Saison als ein weiteres Übergangsjahr nebst Findungsphase anzusehen ist.

Personell fehlen dem Bayern-Coach mit David Alaba und Leon Goretzka dafür nur zwei potenzielle Stammkräfte, aber genau diese beiden Spieler ermöglichen ihm, auf unerwartete Spielverläufe direkt reagieren zu können.

Denkt die Mittelfeldzentrale mit Thiago, Tolisso und Coutinho zu offensiv und hinterlässt Lücken in der Rückwärtsbewegung, wäre die Option Goretzka wichtig, um solche Löcher zu stopfen.

Ohne David Alaba geht Kovac die Offensivkraft auf der linken Außenbahn aus. Benjamin Pavard und Lucas Hernández haben ihre Stärken in der Defensive, nach vorne entwickeln sie aber nicht die Wucht des Österreichers. Besonders gegen stärkere Gegner muss der FC Bayern über beide Außen Druck ausüben, um so Platz in der Mitte für die Zauberer um Coutinho zu schaffen.. Taktisch steht Kovac vor Herausforderungen, aber er scheint in seinem zweiten Jahr in der Lage zu sein, mehrere Flanken zu schließen. Noch wichtiger als taktische Verschiebespielchen ist für einen Bayern-Trainer, das Star-Ensemble bei Laune zu halten. Auch Uli Hoeneß merkte zuletzt an: „Das Problem des FC Bayern sind nicht zu wenig gute Spieler, sondern zu viele.“ Doch Profis wie Thomas Müller oder Javi Martínez scheinen, ihre Rollen zu akzeptieren. Die Integration des Königstransfers Coutinho schreitet ebenfalls vielversprechend voran, – auch wenn der Brasilianer noch nicht in der Lage scheint, seine Klasse über 90 Minuten unter Beweis zu stellen. Gegen Belgrad begeisterte die Leihgabe vom FC Barcelona in der ersten Halbzeit, tauchte in der zweiten jedoch zusehends unter.

Aber vielleicht hat der Sturm, der in dieser Woche über Fußball-Deutschland hinwegfegte, auch seine letzten Motivationskörner herbeigeschüttelt.

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