Ein bisschen Zirkus

von Redaktion

Der Laver Cup wird zum neuen Highlight der Tennis-Welt aufgebaut

Genf – Es ging gerade nochmal gut. Nur ein paar Zentimeter fehlten, und Rafael Nadal hätte Roger Federer mit dem Schläger eine übergebraten. Der Schweizer aber konnte sich gerade noch rechtzeitig wegducken. Und dann lachten die beiden Tennis-Stars wieder, die überhaupt einen Mordsspaß hatten – beim ersten gemeinsamen Doppel ihrer Karriere nach 13 Jahren der Rivalität. „Das Spiel war unglaublich“, sagte Nadal.

Das Match von „Fedal“ war der Höhepunkt bei der Premiere des sogenannten „Laver Cup“ vor zwei Jahren in Prag. Nach Chicago im vergangenen Jahr ist am Wochenende nun Genf in der Schweiz der dritte Schauplatz dieses Duells zwischen „Team Europe“ und „Team World“. Vermutlich werden Nadal und Federer wieder einen Mordsspaß haben: Schließlich geht es bei allem Bohei um nichts – der Rest der Welt ist kein Gegner.

Der Laver Cup soll und will so etwas sein wie der Ryder Cup, bei dem sich seit 1927 alle zwei Jahre die besten Golfer der USA und aus Europa messen. Der Laver Cup, benannt nach dem zweimaligen australischen Grand-Slam-Sieger Rod Laver, wurde initiiert von Federers Agentur „Team 8“, die mittlerweile auch Alexander Zverev betreut. Beteiligt sind darüber hinaus die Tennisverbände der USA und Australiens.

Den jeweils sechs Spielern, die von Björn Borg (Europa) und John McEnroe (Rest der Welt) betreut werden, macht die Sache offensichtlich großen Spaß – auch wenn es dabei vordergründig allein ums Prestige geht. Es gibt freilich auch ein bisschen Preisgeld, je 250 000 Dollar für die Spieler des Siegerteams. Und wohl Antrittsgelder, deren Höhe sich nach der jeweiligen Platzierung des Spielers in der Weltrangliste richtet.

Der Showkampf funktioniert. Prag und Chicago erlebten Spektakel. In Genf werden bis Sonntag insgesamt 50 000 Zuschauer in der Palexpo-Halle erwartet, ihnen ist das Dabeisein bis zu 12 000 Euro für eine Eintrittskarte wert. „Der Laver Cup ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie sich der Sport gewandelt hat: vom Wettbewerb zum Zirkus“, lästert die Neue Zürcher Zeitung.

Für die Europäer sind mit Ausnahme des Weltranglistenersten Novak Djokovic praktisch alle Spitzenspieler am Start – das Team ist deutlich besser aufgestellt als der auf dem Papier scheinbar chancenlose Rest der Welt. John Isner (USA), Nummer eins von „Team World“, liegt auf Rang 20 und damit neun Plätze hinter Fabio Fognini (Italien), der Nummer sechs im „Team Europe“.

Immerhin wird künstlich für Spannung gesorgt. Gespielt werden täglich je drei Einzel und ein Doppel: Für einen Sieg gibt es am Freitag aber nur einen Punkt sowie zwei am Samstag. Am Sonntag werden es drei sein, was bedeutet: Die Entscheidung fällt erst am letzten Tag.  sid

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