Plötzlich Schlüsselspieler

von Redaktion

Kimmich-Ersatz Rafinha muss gegen Liverpool den schnellen Mané stoppen

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Die Laune von Joshua Kimmich ist nicht besonders gut in diesen Tagen. Rein sportlich gibt es dafür ja eigentlich keinen Grund, der FC Bayern steht glänzend da. Und am Mittwoch kann die Mannschaft einen weiteren Meilenstein schaffen. Aber genau das bevorstehende Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool ist der Grund für die getrübte Stimmungs, denn der Außenverteidiger wird das Duell wegen seiner Gelbsperre nur auf der Tribüne verfolgen können. „Jeden Tag, an dem das Spiel näher kommt, wird es noch schlimmer“, gab Kimmich zu.

Bei Rafinha wird es sich wohl diametral verhalten. Beim Brasilianer dürfte sich die Freude steigern bis Mittwoch, denn er wird wohl den freien Platz von Kimmich einnehmen und sich auf der rechten Abwehrseite um Liverpools Sadio Mané kümmern – und könnte damit eine Schlüsselrolle in der Partie. „Diese Gelbe Karte könnte alles verändern“ hatte Bayerns Ex-Spieler Owen Hargreaves nach dem Hinspiel auf dem britischen Sender „BT Sport“ gesagt. „Denn sie müssen zu Hause treffen, und er ist der zuverlässigste Vorlagengeber.“

Beim 0:0 in Liverpool war Kimmich aber in erster Linie in der Defensive gefordert, so wie es Rafinha morgen auch sein wird. Mané zeichnet neben seinem Zug zum Tor hohes Tempo aus. Im Hinspiel war er der Einzige aus dem gefürchteten Angriffs-Trio der „Reds“, der etwas Gefahr ausstrahlte, obwohl er sich bei Kimmich in guten Händen befand.

Rafinha ist für seine 33 Jahre noch ganz schön flott unterwegs auf der Außenbahn, aber manchmal unterlaufen ihm eben dumme Fehler. Wie in der vergangenen Saison im Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid, als Marco Asensio einen Fehlpass von Rafinha zum Siegtreffer nutzte.

Seit Rafinha 2012 zum FC Bayern wechselte, kam er selten über die Rolle des perfekten Ergänzungsspielers hinaus, weil die Außenbahnen mit noch Besseren, als er es ist, besetzt sind. Links mit David Alaba und rechts zuerst mit Philipp Lahm und jetzt eben mit Kimmich. Der Südamerikaner war und ist immer noch unverzichtbar, weil er mittlerweile der einzige Backup für die Außenpositionen ist. Das Wichtigste aber war in all den Jahren, dass er seine Reservistenrolle ohne zu murren hingenommen hatte – bis vor gut zwei Wochen. Da klagte er darüber, dass ihn Trainer Niko Kovac „nicht korrekt“ behandeln würde. „Ich trainiere hart, aber ich spiele keine Rolle“, sagte er und sah gar einen Zusammenhang mit seiner Bekanntgabe im Januar, dass er die Bayern am Saisonende nach sieben Jahren verlassen wird.

Es hatte einen Grund, dass er seine Zurückhaltung ausgerechnet nach der ersten Partie gegen Liverpool aufgab, als es bereits feststand, dass er im Rückspiel zum Einsatz kommen würde. Er fürchtete, gegen die „Reds“ ohne Spielpraxis antreten zu müssen. Sein letzter Einsatz in der Startelf lag damals drei Wochen zurück, in Liverpool war er kurz vor dem Abpfiff eingewechselt worden.

Die Kritik hatte ihm einen Rüffel von Kovac eingebracht, Rafinha entschuldigte sich – und stand in den nächsten beiden Partien in Mönchengladbach und gegen Wolfsburg von Beginn an auf dem Platz, weil Alaba an einer Sehnenreizung laborierte. Über mangelnde Spielpraxis kann er sich auf seiner Abschiedstour beim FC Bayern nun nicht mehr beklagen. Höchstens darüber, auf der linken statt wie morgen auf der rechten Seite zum Einsatz gekommen zu sein.

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