München – Auf einmal glaubte Uwe Krupp wieder. „Die Jungs können stolz auf das sein, was sie erreicht haben“, sagte der Cheftrainer der Eisbären Berlin. „Das Momentum spricht derzeit für uns.“ Im April 2018 war das, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielten damals Berlin und der EHC München in der Finalserie um die Meisterschaft – und Krupp und seiner Mannschaft fehlte nur ein Sieg, um zu schaffen, was seit zwei Jahren keinem DEL-Club mehr gelungen war: den EHC in einer Playoff-Serie zu besiegen. Von den ersten vier Spielen hatten Krupps Berliner drei verloren, jede weitere Niederlage hätte den K.o. bedeutet. Doch die Eisbären wehrten sich, siegten zweimal – und brachten plötzlich jene Mannschaft ins Wackeln, die schon lange nicht mehr gewackelt hat.
Jetzt, knapp ein Jahr später, treffen Berlin und München wieder in den Playoffs aufeinander. München ist noch immer Meister, Berlin noch immer Herausforderer – im finalen siebten Spiel im April 2018 war der EHC einfach zu gut (6:3). Ansonsten hat sich aber sehr viel geändert. In dieser Spielzeit kreuzen sich die Wege der beiden Clubs schon im Viertelfinale. Und dieses Mal gibt es fast keinen, der an Berlin glaubt. Was ist passiert?
Am Montagmittag sitzen Yannic Seidenberg und Konrad Abeltshauser in ihrer Umkleidekabine in der Olympia-Eishalle. Der EHC München, ihr Verein, hat vor der ersten Playoff-Runde die Kabine für Journalisten geöffnet. „Es hat schon einen Grund, warum sie am Ende auf Platz neun waren“, sagt Seidenberg, der Verteidiger. Ihm fällt vor allem der Trainertausch ein. Im Sommer hat Uwe Krupp, der der ehemalige Bundestrainer, die Eisbären nach mehr als vier Jahr verlassen. Sein Nachfolger, Clement Jodoin, ist bereits entlassen worden, gerade betreut der Kanadier Stephane Richer das Team interimsmäßig. „Sie waren nicht ganz so konstant“, findet Seidenberg. Abeltshauser erinnert dann an die vielen Verletzungen, die sie nicht so gut weggesteckt hätten. In München gab es die übrigens auch, trotzdem hat der EHC in der Hauptrunde mehr Punkte geholt als je zuvor (109).
Es scheint, als könnten die Eisbären diesen Leistungsunterschied derzeit nicht überwinden. Trotzdem nennt sie Seidenberg „keine leichte Aufgabe“, Abeltshauser sogar einen „richtig harten Brocken für die erste Runde“. In den Pre-Playoffs besiegte Berlin die Straubinger Tigers. Aber Seidenberg sagt: „Wenn wir unser spiel umsetzen, werden wir die Serie auch gewinnen.“