Gianni Infantinos sogenannten Reformpläne lassen sich kurz so zusammenfassen: Fußball, Fußball, Fußball. Der um die stete Geldvermehrung so emsig bemühte FIFA-Präsident hat ja bereits weltumspannende Kontroversen ausgelöst mit seinem Vorhaben, schon die WM in Katar 2022 auf 48 Mannschaften aufzustocken. Man kann nicht gerade behaupten, dass dies im Sinne eines überschaubaren, spannungsgeladenen Wettstreits wäre. Doch eine WM ist dem Schweiz-Italiener nicht genug. Nun will er unbedingt auch noch ein globales Kräftemessen der Vereinsmannschaften. Eine Club-WM mit 24 Teams. Die Idee geht schon länger um, nun aber macht Infantino offenbar ernst. Beim anstehenden FIBA-Council-Treffen in Miami sollen entsprechende Beschlüsse her.
Doch braucht die Fußball-Welt tatsächlich noch einen weiteren Event?
Bislang hat sich jedenfalls noch keine Faninitiative gegründet, der sich über einen Mangel an Fußball-Unterhaltung beklagt hätte. Gesendet wird längst auf allen Kanälen (leider auch auf vielen verschlüsselten) und rund um die Uhr. Die Fußball-Woche hat mittlerweile sieben Tage. Und das Pensum, das die sportiven Akteure dabei zu leisten haben, erreicht längst das Belastungslimit. Schwer vorstellbar, wie ein Spitzenclub Champions League und Club-WM (gedacht ist an 24 Vereine und einen Zwei-Jahres-Rhythmus) unter einen Hut bringen will.
Doch Infantino scheint nicht zu bremsen zu sein. Auch weil er schlau genug ist, sich mit einem bewährten Trick die Zuneigung der kleinen FIFA-Nationen und damit Mehrheiten zu sichern. 25 Prozent der Nettoeinnahmen sollen weltweit an die diversen Verbände ausgeschüttet werden. Also auch an jene, die nie die Chance haben werden, einen Club-WM-Teilnehmer zu stellen. Angesichts solch erfreulicher Aussichten fällt ein gewogenes Stimmverhalten natürlich umso leichter.
Immer klarer scheint sich im globalisierten Fußball die Tendenz abzuzeichnen, dass die nationalen Ligen (immerhin die Basis der Fußballbegeisterung) mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Geträumt wird von der europäischen Superliga, von den Wachstumsmärkten in China und Indien, auch von den USA. Von der Club-WM. Überhaupt nicht in Betracht gezogen wird, dass die europäische Stammkundschaft eines Tages die totale Kommerzialisierung nicht mehr mitmacht, die Leidenschaft für den Weltsport Fußball irgendwann abklingt, umschlägt in Überdruss. Ganz auszuschließen ist das nicht.
Armin.Gibis@ovb.net