Sturm fegt Kamin vom Dach

von Redaktion

Sturm Eberhard wütete mit bis zu 110 km/h in der Nacht auf Montag in der Region. Er deckte unter anderem ein Fahrsilo ab, fegte einen Kamin vom Dach, riss Bäume um, beschädigte Autos, behinderte den Bahnverkehr und hielt die Feuerwehren auf Trab. Verletzt wurde niemand.

Rosenheim/Traunstein – Eine Spur der Verwüstung hinterließ Sturmtief Eberhard in der vorletzten Nacht. Betroffen waren auch die beiden Landkreise Rosenheim und Traunstein. Hier tobte das Wettertief mit Stundenkilometern zwischen etwa 96 und 116 km/h.

Den fliehenden Kräften konnte in Bad Aibling ein kompletter Dachkamin nicht mehr standhalten. Er wurde von einem Gebäude an der Dieselstraße weggefegt und schlug nur wenige Meter vom Hauseingang entfernt im Hof auf. „Zum Glück hielt sich zu diesem Zeitpunkt niemand dort auf“, stellte die Aiblinger Feuerwehr am Sonntag um 16.01 Uhr fest. Sie ersetzte kaputte Dachziegel durch neue. Diese hatte der Eigentümer kurzerhand aus der benachbarten Zimmerei besorgt.

Kaminkehrer

muss kommen

An Heizen war aber für die Bewohner nicht mehr zu denken. Dazu der stellvertretende Feuerwehrkommandant Christian Staudhammer: „Es war nicht auszuschließen, dass der Kamin noch weitere Beschädigungen aufwies und Abgase der Heizung ins Gebäude gelangen könnten.“ Dies muss nun ein Kaminkehrer begutachten.

Zeitgleich erreichte die Feuerwehr der nächste Alarm. Ein Baum fiel auf einen Pkw in der Madaustraße. Er stand fahrerlos da. Alarm Nummer drei betraf ein Seniorenheim: Der Brandmelder wurde ausgelöst. Ein Atemschutztrupp fand allerdings nichts im Gebäude. Also: Fehlalarm.

Eberhard war dann wieder schuld an verschiedenen Baumstürzen. Die Feuerwehr Mietraching räumte die Staatsstraße 2089 (Texaskreisel), in der Kolbermoorer Straße drohte ein weiterer Baum auf die Fahrbahn zu fallen. Die Besatzung der Drehleiter kappte ihn bis etwa zur Hälfte, um die Gefahr zu beseitigen. Der Straßenabschnitt war für circa zwei Stunden gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. Die fünf Einsätze dauerten bis gegen 17.08 Uhr.

Ein „fliegendes Fahrsilodach“ alarmierte am Sonntag gegen 17 Uhr in Ostermünchen die Feuerwehr. Der Sturm hatte das halbe Blechdach abgerissen, es wirbelte durch die Luft. Teile davon schlugen in das Dach und die Terrasse des Nachbarhauses sowie die angrenzende Straße ein. „Zum Glück wurde niemand verletzt“, so Johannes Kellerer von der Feuerwehr Ostermünchen.

Zur Sicherung der noch losen Dachteile eilten die Kollegen aus Kolbermoor per Drehleiter herbei, sie halfen zudem bei der Reparatur des beschädigten Hausdaches. Um zu verhindern, dass sich weitere Teile vom Blechdach ablösten und umherfliegen konnten, entfernte das THW Bad Aibling per Kranwagen die weiteren Teile.

In Söchtenau traute Christine Graf am Sonntag ihren Augen nicht: Der obere Teil ihres Hochbeetes hatte Eberhard zur Seite geschleudert, die Blumenkästen am Balkon aus ihrer Verankerung gerissen und – „was für ein Glück!“ – auf die Innenseite des Balkons katapultiert. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Graf. Sie wusste zudem, dass der Sturm Kälber-Silos bei einem Landwirt massiv verschoben hatte, so dass sie mit schweren Balken gesichert werden mussten.

Nach Angaben der für den Meridian zuständigen Bayerischen Oberlandbahn (BOB) gab es auf der Strecke Kufstein-Rosenheim geringfügige Auswirkungen – vor allem in Form von einzelnen Verspätungen – infolge eines auf die Gleise gestürzten Baumes. „Glücklicherweise wurden wir diesmal von Größerem verschont“, berichtet Meridian-Sprecher Christopher Raabe. Demnach waren im Laufe des Sonntags nur kurze Verspätungen zu vermelden. Direkt betroffen war der Meridian 79038 mit Abfahrt 17.15 in Salzburg nach München. Fahrgäste mussten mit einer halben Stunde Verspätung rechnen. Ursache: Gegenstände in einer Oberleitung bei Salzburg.

100 Notrufe aus

drei Landkreisen

Die Integrierte Leitstelle in Rosenheim hatte sich für Eberhard bestens gewappnet. Das Personal wurde von den üblichen sechs um weitere vier Mann aufgestockt, zusätzlich zum Leitstellenchef. Stefan Ertl zufolge erreichten rund 100 Notrufe aus den drei Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Miesbach die Zentrale. Es sei um Sachschäden meist durch umgestürzte Bäume gegangen, die Anrufer seien auch ruhig und sachlich in ihren Angaben geblieben. „Wenn es aber um Verletzte geht, dann wird es hektisch“, so Ertls Erfahrung. Um Menschenleben sei es aber diesmal nicht gegangen.

Der Kreis Traunstein war komplett im Griff von Eberhard. Umgestürzte Bäume auf Kreis- und Staatsstraßen (TS 26 und TS 25) sowie der St 2105 (zwischen Kirchhalling und Mayerhofen) prägten das Bild und forderten die Feuerwehren aus der Region. Hier herrschte der Sturm mit Spitzenböen bis zu 104 km/h.

Integrierte Leitstelle mit Warn-Apps

Die Integrierte Leitstelle in Rosenheim (Feuerwehr und Rettungsdienst) traf alle erdenklichen Vorkehrungen, um für Sturmtief Eberhard gewappnet zu sein. Auf einem Monitor verfolgten die Mitarbeiter per Livestream die Wetterbewegungen, die laut Leitstellenleiter Stefan Ertl in ihren Spitzen „wellenweise“ auftraten. Zusätzlich greift die Leitstelle sowohl auf die zwei Warn-Apps Nina und Katwarn zurück als auch im Falle von Orkanböen auf eine Live-Verbindung zum „Meteorologen vom Dienst“ beim Deutschen Wetteramt. Dieses System greift ebenfalls bei Großbränden oder Gefahrgut-Unfällen. „Auf diese Weise erhalten wir Wetterprognosen sogar speziell für diesen einen Einsatzort“, so Ertl. Wichtig, wenn zum Beispiel Chemikalien im Spiel sind und sich auch noch als „Wolke“ durch die Luft ausbreiten.

Eberhard wird zum Orkan

Mit welcher Wucht traf Sturmtief Eberhard auf unsere Region? Eine kurze Übersicht von Messpunkten:

Rosenheim: Am Sonntag lag der Maximalwert bei 96,12 km/h. Montag: 69,12 km/h.

Chieming: Sonntag 103,7 km/h. Gestern: 76 km/h.

Frasdorf-Greimelberg: Sonntag 116 km/h. Gestern: 73,8 km/h.

Vogtareuth Kläranlage: Sonntag 106,2 km/h. Gestern: 60,1 km/h.

Otterkring: Als spannend bezeichnete Meteorologin Ulrike Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst hier das Maximum, das am Sonntag um 17 Uhr erreicht wurde mit 31,9 Meter pro Sekunde. Das entspricht einer Windstärke 11 (orkanartiger Sturm), also etwa 110 km/h. Gestern: 66,6 km/h.

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