Maxlrain – Professor Dr. Nikolaus Prinz von Lobkowicz ist tot. Für viele der Älteren in Deutschland ist Nikolaus Lobkowicz bekannt als der Rektor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, welcher der 68er-Studentenrevolution an der Münchner Uni entgegengetreten ist. Prof. Dr. Nikolaus Prinz von Lobkowicz war sehr belesen und liebte die Bibliothek von Schloss Maxlrain, wo heute sein Sohn mit Familie wohnt. Als „Fürst Lobo von Transsilvanien“ beschimpft, ging Lobkowicz gerne zu den Teach-ins, um mit den Wortführern des Spartakus über Marx zu diskutieren. Voraussetzung war, dass man ihn zu Wort kommen ließ. Auf Bitten der deutschen Kardinäle stellte er sich 1984 der Wahl zum Präsidenten der Katholischen Universität in Eichstätt, als deren Präsident er dann bis 1996 wirkte. In den letzten Jahren seiner Präsidentschaft wählte der Spiegel „Uni Survey“ Eichstätt dreimal zur beliebtesten Universität in Deutschland. Ein überraschendes Ergebnis, das sich später auch nicht wiederholt hat. Lobkowicz wurde 1931 als Spross eines alten böhmischen Fürstenhauses in Prag geboren. Wie für viele andere dieser Generation blieb für Lobkowicz Flucht und Vertreibung ein zentrales Erlebnis, das in vielfacher Weise Einfluss auf sein Leben nahm. Ein freier, unkonventioneller Geist von größter Höflichkeit und umfassendster Bildung, aber bereit, bis aufs Messer für eine rechtsstaatliche öffentliche Ordnung zu kämpfen, als Grundlage eines gelingenden Lebens freier Staatsbürger. In späteren Jahren engagierte sich Lobkowicz, der mit Josephine Gräfin von Waldburg-Zeil sechs Kinder und 24 Enkel hatte, als langjähriges Mitglied im päpstlichen Rat für Kultur. Er war beliebter Gesprächspartner sowohl von Johannes Paul II. als auch von seinem langjährigen Professoren-Kollegen Joseph Ratzinger, als Benedikt XVI. Es ging ihm immer darum, in der Öffentlichkeit die Vernünftigkeit des katholischen Standpunktes zur Geltung zu bringen. Es ist vielleicht nicht falsch zu sagen, dass er die katholische Kirche als seine eigentliche Heimat betrachtete, nach dem Verlust seines geliebten Böhmen. Als die Tschechoslowakei zur Tschechischen Republik geworden war, wurde er Ehrendoktor und Dekan der katholischen Fakultät der Karls-Universität und wirkte darüber hinaus in verschiedenen Funktionen für die Entwicklung der tschechischen Gesellschaft. 2011 erhielt er in Tschechien den „Gratias Agit“, den selten vergebenen Staatspreis, der seine Verdienste für Böhmen und die Tschechische Republik würdigt. Der Preis wurde ihm vom tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg überreicht. Nach dem Tod seiner Ehefrau heiratete Lobkowicz Nawojka Cieliska, eine renommierte polnische Kunsthistorikerin und Spezialistin für die komplizierten Fragen des großen russischen Kunstraubes am Ende des Zweiten Weltkrieges.