Rohrdorf – Angefangen hat Heinz von Wilks Autoren-Laufbahn an einem Wirtshaustisch im Chiemgau. Zusammen mit lauter netten Leuten, Stimmung bestens, da kann man schon mal leichtsinnig werden. Ein Verleger aus der Gegend saß mit in der Runde, um Regionalkrimis ging es und wie gerne er, der Verleger, mal so einen Erfolgstitel in seinem Programm hätte. „Aber ich weiß keinen, der mir den schreibt!“ Darauf Heinz von Wilk: „Das kann doch nicht so schwer sein!“ Der Tritt seiner Frau unterm Tisch kam zu spät, der Verleger wollte es wissen: „Dann schreib mir den!“ Die Antwort: „Das mach ich Dir mit links!“
„Bis dahin hatte ich nur Rechnungen und Verträge geschrieben,“ erinnert er sich, sein Start als Krimi-Autor war völlig ungeplant. Die Frage nach dem Inhalt seines ersten Krimis stellte er sich nicht wirklich. Hatte er mit seinen sechzig Jahren nicht genug erlebt? „Da gibt’s doch reichlich Stoff, schau’n wir halt, was sich verwerten lässt“. Der Gedanke, der trägt bis heute.
Einen Krimi zu schreiben war nun wirklich mal was anderes, doch wer Heinz von Wilk zuhört merkt sofort, dass er ein geborener Geschichten-Erzähler ist. Dazu kommt die Unbekümmertheit, fast genau so zu schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Und weil der Tritt unterm Wirtshaustisch nichts gebracht hatte, übernahm seine Frau von Anfang an die Rolle der Erstleserin. „Wenn ich bei einem neuen Buch die ersten zwanzig Seiten habe, gebe ich sie meiner lieben Liv zu lesen“, gesteht der Autor, „wenn sie sagt ok, dann schreibe ich weiter, ansonsten wird umgeschrieben.“
Seine Fähigkeit, spontan und zugleich fokussiert zu sein, hat wohl damit zu tun, dass von Wilk eigentlich Musiker ist, oder anders gesagt: Sein Leben lang mit Musik und Musikern zu tun gehabt hat. Seine Frühprägung begann in der Rosenheimer Musikszene der 60er, seine Welt war „Beat, Rock, Soul und all so was.“
Zunächst aber war eine Lehre beim Antennenbauer Kathrein angesagt. „Was G’scheits sollte es sein,“ meinte seine Mutter, doch als sie für den Bub eine Beamtenlaufbahn bei der Post anstrebte, ergriff er die Flucht – mit 17.
„In Rosenheim gab’s die Pee Wees,“ erinnert er sich, „die spielten jeden Sonntag in einem Keller, da wo heute das Ballhaus ist, bei denen habe ich Schlagzeug gespielt.“ Die Rettung vor dem Job bei der Post war ein „langhaariger Typ, dem gerade in seiner Band der Schlagzeuger abhanden gekommen war. Der fand mich gut, was ich nicht wirklich war, und so spielte ich kurz darauf im Offiziersclub bei den Amerikanern in Bad Aibling.“ Mit der US-Truppenbetreuung kam er bis nach Saigon, wo er fast zwei Jahre spielte, gute Gagen einstrich und nichts davon ausgeben konnte, bis er dann irgendwann wieder in Rosenheim auftauchte. In einem roten Porsche 356B, in Frankfurt bar bezahlt, gleich nach der Landung.
Er machte weiter Musik, bis ihm Rosenheim zu eng wurde und er mit dem Medium-Terzett sechzehn Jahre lang um die Welt tourte. Dann lernte er Liv kennen – und beschloss, wieder mal was anderes zu machen. Mit seiner Konzertagentur in Osnabrück füllte er über Jahre die Westfalenhalle und andere Musiktempel. Bis er wieder was anderes machte und an der Costa Blanca Luxus-Villen, Landsitze und Grundstücke verkaufte.
Aus diesen Jahren als Immobilien-Händler destilliert Heinz von Wilk Stoff für seine Krimis. Sein Serienheld Albin Stocker, ein Musik machender Kneipenwirt im Chiemgau und außerdem „Problemlöser“, hat ganz ähnliche spanische Spezial-Kontakte an die sich sein Autor erinnert: „Das war der Wilde Westen damals da unten, Goldgräberzeit für die ganz schwarzen Schafe der Immobilien-Branche. Alles konnten sie anbieten und gekauft wurde wie im Rausch!“ Anfang des neuen Jahrtausends war er wieder dort, wo sein Held Albin Stocker den Problemlöser gibt: Im Chiemgau.
Heinz von Wilk ist auch Autor von Tiergeschichten: Dackel sind seine Favoriten, Katzen nicht minder und einem Chiemsee-Möven-Pärchen hören wir zu, wie es sich Gedanken über uns Menschen macht. „Die gute Laune meiner Leser ist mir das Wichtigste,“ gesteht von Wilk, und das funktioniert auch bei seinen Krimis.
Was ist sonst in Planung? „Der erotische Kochlöffel heißt die Idee. Das sind Kurzgeschichten, Verführung in drei Gängen oder so. Mit eigenen Rezepten natürlich. Ich brauche nur noch einen Verleger!“