Drei Mal schwarzer Justin

von Redaktion

Justin Trudeau gilt eigentlich als offen und tolerant. Kurz vor der Wahl holt Kanadas Premierminister nun aber ein fast 20 Jahre altes Foto ein. Das Bild wird als rassistisch empfunden, und es war kein Einzelfall.

Ottawa – Es gibt eine kleine, sehr feine Anekdote mit Justin Trudeau in der Hauptrolle: Sie spielt im Februar 2018, Kanadas Premier, damals gut zwei Jahre im Amt, war Gast einer Diskussionsrunde. Als eine Frau sich meldete und das Wort „mankind“ („Menschheit“) benutzte, korrigierte Trudeau sie recht forsch. Er sage lieber „peoplekind“ („Menschenheit“) – das sei irgendwie integrativer.

Trudeau, ein Freund geschlechtergerechter Sprache, hatte es nur gut gemeint. In „mankind“ kommt das Wort „Mann“ vor, was die Frauen dieser Welt ausschließt. Aber schon damals erntete er massig Kritik – heute haben die Kanadier wieder Zweifel, ob die überbordende Feinfühligkeit ihres Premiers echt ist.

Rund einen Monat vor der Parlamentswahl holen Trudeau nämlich Bilder – und ein Video – aus der Vergangenheit ein. Darauf zu sehen ist stets er, kostümiert und mit dunkel geschminktem Gesicht. Am Mittwoch hatte Trudeau dann noch einen weiteren Fall eingeräumt. In seiner High-School-Zeit habe er bei einem Talentwettbewerb den jamaikanischen „Banana Boat Song“ („Day O“) aufgeführt. Auch dabei sei er verkleidet und dunkel geschminkt gewesen. Drei Fälle, die viele seiner Landsleute als rassistisch empfinden.

Zunächst hatte das Magazin „Time“ ein Bild von 2001 veröffentlicht, das Trudeau auf einem Kostümball mit dem Titel „Arabische Nächte“ mit einem dunkel geschminkten Gesicht, einem Gewand und einem Turban zeigt. Kurz darauf veröffentlichte ein kanadischer TV-Sender ein Video, das den Premierminister als Teenager tanzend und Grimassen schneidend mit dunkel geschminktem Gesicht zeigt. Das Video stamme von Quellen aus der konservativen Partei, teilte der Sender Global News mit. Trudeaus liberale Partei habe bestätigt, dass die Aufnahmen den Premierminister zeigen.

Trudeau reagierte nach dem Auftauchen des Fotos umgehend und entschuldigte sich. „Ich habe mir ein Aladdin-Kostüm angezogen und Make-up aufgetragen“, sagte er bei einer eilig angesetzten Pressekonferenz an Bord eines Flugzeuges. „Ich hätte das nicht tun sollen. Ich hätte es besser wissen sollen, aber das habe ich nicht. Es tut mir wirklich leid.“

Er fügte hinzu: „Es war etwas, von dem ich damals nicht dachte, dass es rassistisch wäre, aber jetzt erkenne ich, dass es etwas Rassistisches war.“ Er werde weiter daran arbeiten, Intoleranz und Diskriminierung zu bekämpfen, auch wenn er in der Vergangenheit einen Fehler gemacht habe.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme vor fast 20 Jahren war Trudeau 29 Jahre alt. Das Bild war laut „Time“ im Jahrbuch einer Privatschule in Vancouver veröffentlicht worden, in der Trudeau damals gelehrt hatte. Kanadische Medien haben inzwischen auch ein Foto seines High-School-Auftritts veröffentlicht.

In Kanada wird am 21. Oktober gewählt. Der Wahlkampf läuft seit einer guten Woche. In Umfragen liegen Trudeaus Liberale und die Konservativen seines Konkurrenten Andrew Scheer trotz boomender Wirtschaft und niedriger Arbeitslosenquote eng beieinander – zuletzt war Trudeau leicht im Aufwind. Scheer warf ihm einen „offenen Akt von Rassismus“ vor.

Das Image Trudeaus hatte bereits in den vergangenen Monaten wegen eines Skandals um Ermittlungen gegen die kanadische Firma SNC-Lavalin gelitten. Dieser wurde vorgeworfen, Schmiergeld für Geschäfte in Libyen gezahlt zu haben. Premier Trudeau hatte angeblich die Ermittlungen seiner damaligen Justizministerin gegen das Unternehmen unterdrücken wollen. Mitte August kam eine Ethik-Kommission zu dem Schluss, Trudeau habe sich falsch verhalten.

Wie sich die aktuelle Affäre des Premierministers auf den Wahlkampf der Liberalen auswirkt, ist noch nicht absehbar. Hilfreich ist es sicher nicht. Viele Kanadier mit einem Migrationshintergrund aus dem Nahen Osten oder Südasien gehören zu den Stammwählern der Partei.  dpa/mmä

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