Rosenheim – Schade, dass es am letzten Spieltag der Meisterrunde für die Starbulls Rosenheim im an sich prestigeträchtigen Derby beim EV Landshut um nichts mehr ging – ganz im Gegensatz zu den Gastgebern, die die Punkte noch brauchten, um ihren zwei Tage zuvor eroberten zweiten Rang gegen Regensburg zu verteidigen. Und so stand folgerichtig mit 0:6 die zweithöchste Saison-Niederlage (und zusammen mit fünf anderen auch die zweithöchste Schlappe der Oberliga-Historie) zu Buche, wo man in der Vorrunde noch mit 7:4 einen triumphalen Erfolg gefeiert hatte, den einzigen in fünf Gastspielen in den letzten beiden Jahren.
8:1 nicht in den
Top Five
Ebenso erwarten konnte man natürlich auch den ungefährdeten Sieg am Freitag gegen die Höchstadt Alligators, die nach dem Erreichen der Meisterrunde und dem dadurch gesicherten Klassenerhalt in den Top Ten mit nur zwei Siegen in 18 Spielen die schwächste Mannschaft waren. Das 8:1 schaffte es übrigens nicht in die Top Five der höchsten Rosenheimer Oberliga-Siege; dazu wäre eine Differenz von plus acht erforderlich.
Ungeachtet der völlig unterschiedlichen Resultate verliefen die beiden Partien anfangs ziemlich ähnlich. In Landshut stand es bis zur 15. Minute 0:0, ehe die Kammerer-Schützlinge die große Strafe gegen Enrico Henriquez zu zwei Powerplay-Toren nutzen konnten und damit auf die Siegerstraße gerieten. Zuvor hatten es Lukas Steinhauer und Luca Endres seit dem Höchstadter Gegentor endlich wieder einmal geschafft, länger als ein komplettes Spiel den Kasten sauber zu halten: 65:54 Minuten. Auch die Alligators konnten am Freitag einige Zeit das torlose Remis halten, ehe sie dann mit vier Gegentreffern in weniger als vier Minuten komplett überrannt wurden. Überhaupt verlief dieses Spiel kurios. Die erste Hälfte jedes Drittels brauchten die Starbulls zum „Warmlaufen“; kein einziges Tor fiel in der ersten Hälfte jedes Spielabschnitts, in der zweiten Hälfte dagegen vier in knapp vier und je zwei in ungefähr dreieinhalb Minuten.
Rekordmarke gehörte Dylan Stanley
Und interessanterweise hätten die Gäste bis zu Daniel Buchelis Tor in der 34. Minute sogar 1:0 geführt, wäre da nicht das Trio Baindl – Höller – Witala gewesen, das für alle fünf Treffer bis zum 5:1 verantwortlich war. Highlight dabei war zweifellos Chase Witalas lupenreiner Hattrick innerhalb von 3:28 Minuten, der eine Frage aufwarf, die wieder einmal den Statistiker arg forderte: Gab es so etwas schon einmal in Rosenheim?
Die Antwort lautet: nein. Vor der laufenden Saison gebührte die Rekordmarke Dylan Stanley, der am 9. April 2010 im Play-off-Halbfinale gegen Herne mit drei Treffern binnen 8:32 Minuten den Weg zum 9:2-Sieg wies. Getoppt wurde diese Leistung allerdings gleich im allerersten Spiel dieser Saison, als Viteszlav Bilek, der gegen Memmingen schon das 1:0 erzielt hatte, ab der 53. Minute innerhalb von 6:22 Minuten einen 3:4-Rückstand in einen 6:4-Sieg verwandelte. Ungefähr in den Dimensionen von Dylan Stanley bewegte sich auch der Rosenheimer Rekord in der 2. Liga, den Patrick Asselin am 25. März 2012 (ebenfalls im Play-off) in Kaufbeuren aufstellte, als er für seinen Dreierpack zum 5:4-Sieg 8:07 Minuten brauchte.
Nur John Snowden war schneller
Eine weitere erstaunliche Zahl war nicht so auffällig, aber bei näherer Betrachtung ähnlich spektakulär: Kapitän Michael Baindl war an allen fünf Treffern bis zum 5:1 mit einem Tor und vier Assists beteiligt und brauchte dafür nur 19:42 Minuten! Diese Marke wurde sowohl in der zweiten als auch der dritten Spielklasse von einem Starbull nur ein einziges Mal getoppt: In der Oberliga war John Snowden am 26. Dezember 2007 beim 6:2 in Peiting noch schneller (17:52 Minuten), in der 2. Bundesliga gelang es Stephen Werner am 15. März 2011, als er im Play-off-Viertelfinalspiel in Heilbronn nach 0:3-Rückstand an fünf Toren innerhalb von 18:35 Minuten beteiligt war. Fazit: Baindl klasse, aber nicht einmalig, Witalas Marke dürfte dagegen lange Bestand haben!