Kolbermoor – Zum Meisterkonzert in der monatlichen Orgelmittwoch-Reihe in der Kirche Wiederkunft Christi in Kolbermoor kam ein Meister aus München: Harald Feller, Orgelprofessor an der Musikhochschule. Er kam mit einem ausgesuchten Programm mit Orgelmusik von Bach bis Feller und mit seiner mühelosen Meisterlichkeit – die ihn oft zu ein bisschen forschen Tempi verführte, als wollte er sein Meistertum vorführen.
So nahm er das Präludium und Fuge in e-Moll BWV 548 von Bach mit dahinstürmendem Schwung, lockerte damit das Eingangs-Pathos ins rein Festliche und hatte Spaß an der engen Verbindung von Fugenstrenge mit Konzertgepränge und an den leichtfüßig gespielten Pedaltrillern. Deutlich heraushörbar war in der Choralbearbeitung BWV 656 der Choral „O Lamm Gottes unschuldig“, der einmal in der Sopranmelodie, einmal in der Mittelstimme und einmal im Bass erscheint: als, so Feller in seiner Einleitungsmoderation, Analogie zur Heiligen Dreifaltigkeit.
In einem Satz aus „La Nativité du Seigneur“ von Olivier Messiaens kitzelte Feller alles an Registerfarben heraus, was die Frenger&Eder-Orgel zur Verfügung hat. Die f-Moll-Fantasie von Mozart ging Feller stürmisch-wütig an, sodass es wirkte, als würden die schmerzreich-dissonanten Anfangs-Akkorde aufschreien.
Robert Schumann hat fast nichts für die Orgel, aber „Sechs Stücke in kanonischer Form“ für ein „Pedalklavier“ geschrieben, eine Art Doppelklavier, das auch mit den Füßen zu bedienen war. Zwei Stücke daraus spielte Feller mit vielen reizvollen Registerfarbwechseln und bewältigte mühelos die technisch kniffligen Schwierigkeiten.
Die Orgelsonate in f-Moll op.65/1 von Felix Mendelssohn Bartholdy „betrachtet die barocke Pracht Bachs durch das Prisma von Mendelssohns eigener stilistischer Identität“, schreibt der Mendelssohn-Biograf R. Larry Todd. Feller schaffte es, alle eigentlich disparaten Momente dieser Sonate spannungsreich zusammenzuspannen: Passions-Anklänge im Anfangssatz mit der Verwendung eines Passionschorals, liedhafte Lyrik im Adagio, prächtige Perpetuum-Mobile-Arpeggien im Finale und einen von Feller als reizvollen Dialog präsentierten Andante-Satz, in dem sich schüchtern fragende Rezitativ-Phrasen der Zungenstimmen gegen gewaltige Plenums-Akkordblöcke behaupten.
Feller zeigte sich auch als routinierten Komponisten in drei gregorianischen Paraphrasen: geläufig dahineilend als Umspielung des „Salve Regina“, ein archaisch-lieblicher Engelsgesang in „Puer natus est“ und das „Dies irae“ als wild-erregte Toccata. Zur Beruhigung für den stürmischen Applaus gab’s eine Bach‘sche Choralbearbeitung.