Münsing – Ein mit drei Personen besetztes Boot ist in der Nacht auf Freitag zirka 150 Meter vom Ostufer des Starnberger Sees entfernt gekentert. Für einen 32 Jahre alten Iraker aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen kam jede Hilfe zu spät, er ertrank. Laut Polizei war er Nichtschwimmer. Die beiden Überlebenden des Unfalls wurden mit starken Unterkühlungen nach der Erstversorgung in die Wolfratshauser Kreisklinik gebracht. Zu ihrem Gesundheitszustand machte die Polizei am Freitag keine Angaben.
Gegen 23 Uhr alarmierte die Integrierte Leitstelle Fürstenfeldbruck am Donnerstag nach einem Notruf die Rettungskräfte, nur Minuten später traf ein Großaufgebot im Erholungsgebiet Ambach in der Seegemeinde Münsing (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ein. Das knapp drei Meter lange ziegelrote Kunststoffboot, angetrieben von einem kleinen Elektro-Außenbordmotor, war rund 150 Meter vom Ostufer entfernt, in der Nähe der Wasserrettungsstation Schwaiblbach, voll Wasser gelaufen und daraufhin gekentert.
Ein Insasse, ein Tunesier (21), der in München wohnt, konnte sich ans Ufer retten, er wurde dort sofort ärztlich betreut. Ein zweiter, der den Notruf abgesetzt hatte, „hielt sich verzweifelt an dem gekenterten Boot fest und winkte mit seiner Handytaschenlampe“, berichtet Ingo Roeske, Vorsitzender der Wasserwacht Wolfratshausen. Roeske und sein Team erreichten die Unglücksstelle als Erste und zogen den Serben (29) aus München, der am Ende seiner Kräfte war, in letzter Sekunde in ihr Boot. „Zum Glück hatte er die Handytaschenlampe, und er hatte außerdem die ganze Zeit via Handy Kontakt mit der Leitstelle. So fiel uns die Ortung des Mannes und des Bootes leicht.“ Nur noch ein Teil des Bugs ragte laut Roeske aus dem Wasser. Vom dritten Opfer des Unfalls fehlte zu diesem Zeitpunkt bereits jede Spur.
Die Wasserwachten Wolfratshausen, Starnberg, Ammerland und Tutzing sowie die DLRG Starnberg-Pöcking bildeten umgehend mit insgesamt fünf Booten eine Suchkette. Eine Stunde später stießen die Retter etwa 150 Meter von der Unglücksstelle entfernt auf den Vermissten. Er lag laut Roeske in zwei Meter Tiefe. „Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen an Bord sowie anschließend auf dem Rettungssteg durch einen Notarzt ist er vor Ort verstorben.“ Nach Informationen unserer Zeitung war der Mann Dauercamper in Ambach.
„Das ganze Geschehen ist sehr tragisch“, sagt Roeske. „Sie müssen wissen: In diesem Abschnitt des Sees kann ein Erwachsener rund 100 Meter entfernt vom Ufer noch stehen.“ So entschieden 50 Meter über Leben und Tod.
Ersten Hinweisen zufolge war das Trio in der Nacht zum Angeln auf den Starnberger See hinausgefahren. Alkohol war laut eines Polizeibeamten bei den drei Muslimen nicht im Spiel. „Die Ursache für das Kentern des Bootes ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen, die von der Kripo Fürstenfeldbruck übernommen wurden“, erläutert ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Einiges deute darauf hin, dass das Boot nicht für den Transport von drei Personen ausgelegt war. Roeske, selbst erfahrener Bootsführer, stellt fest: „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dieses Plastikboot mit Minimotor mit drei Personen zu besetzen.“ Und: „Es war stockfinster, da kann man natürlich auf dem See sehr schnell die Orientierung verlieren.“ Damit nicht genug: Laut Polizei konnte der 32-jährige Iraker, der bei dem Unglück sein Leben verlor, nicht schwimmen.
Die DLRG Possenhofen unterstützte die Bergung des havarierten Kunststoffbootes mittels ihrer Kameradrohne. Die Videoaufzeichnung dient auch zur Dokumentation des Großeinsatzes, den der Vize-Chef der Wolfratshauser Wasserwacht, Christian Ikker, vor Ort koordinierte, sowie den Ermittlungen der Polizei. Summa summarum waren knapp 30 Helfer gefordert, neben den Wasserrettern die Polizei, der Rettungsdienst, zwei Notärzte, die Feuerwehr Holzhausen sowie die Besatzung eines Polizeihubschraubers.