Gemeinsam gegen Diabetes Typ 1

von Redaktion

Der Kampf gegen die Zuckerkrankheit wird künftig vom Münchner Norden aus geführt: Dort wurde gestern ein neues Zentrum eröffnet, in dem Studien aus ganz Europa koordiniert werden. Die Vision der Forscher: Eine Welt ohne Diabetes Typ 1.

VON ANDREA EPPNER

München – Jacqueline Kufner, 33, erfuhr vor drei Jahren, dass sie an Diabetes Typ 1 leidet – und das auf besonders tragische Weise: „Ich war schwanger und habe mein Kind verloren“, erzählt sie. Mit Lukas, heute 14 Monate alt, kam das Glück zu ihr und Ehemann Markus Kufner, 43, zurück. Die Eltern waren natürlich sofort einverstanden, als der Kinderarzt einen Gentest bei Lukas vorschlug – und später auch die Teilnahme an einer Studie.

Denn noch ist Lukas zwar kerngesund. Doch er hat eine starke Veranlagung, an Diabetes Typ 1 zu erkranken. Diese Form der Zuckerkrankheit ist nämlich keine Folge von falscher Ernährung und zu wenig Bewegung, wie Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) betont. Schuld ist ein fehlgeleitetes Immunsystem: Es zerstört die Zellen des Körpers, die das lebenswichtige Hormon Insulin bilden.

So weit soll es bei Lukas nie kommen. Darum nimmt er nun an besagter „POInt-Studie“ teil. Das ist eine von mehreren Studien zu Diabetes Typ 1, die seit Kurzem in einem neuen Studienzentrum an der Münchner Heidemannstraße koordiniert werden. Gestern wurde das Zentrum offiziell eröffnet.

Hier arbeiten künftig Forscher und Ärzte des Instituts für Diabetesforschung des Münchner Helmholtz Zentrums und der „Forschergruppe Diabetes“ des Münchner Klinikums rechts der Isar zusammen. Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung, ist froh, dass die Zeit der Enge vorbei ist.

Endlich ist in einem Gebäude Platz für all das, was vorher über die Stadt verstreut war: Untersuchungsräume für die kleinen Patienten, für Labore, in denen Blutproben vor Ort untersucht werden können. Und: Für Mitarbeiter, die Studiendaten aus ganz Europa auswerten. „Wir forschen. Wir entwickeln. Wir kämpfen. Für eine Welt ohne Typ-1-Diabetes“ – so steht es auch auf einem Banner an der Außenfassade.

Den Diabetes zu verhindern: Bei Lukas ist das die große Hoffnung. Jeden Tag rühren seine Eltern ein Pulver in sein Fläschchen – vielleicht nur ein Scheinmedikament, oder aber Insulin. Das kann womöglich den Ausbruch der Erkrankung verhindern.

Viele andere Familien wären schon froh, nicht erst auf der Intensivstation von der Erkrankung ihres Kindes zu erfahren. Doch genau das droht, wenn Eltern Anzeichen – wie extremen Durst und häufigen Harndrang – nicht einordnen können. Dann kann es zu einer lebensgefährlichen Übersäuerung des Blutes kommen.

Das soll die „Fr1da-Studie“ verhindern, die sich an zwei- bis fünfjährige Kinder richtet. Ein Bluttropfen aus dem Finger – das reicht, um das Diabetes-Risiko einzuschätzen. Rund 91 000 Kinder haben bayernweit bereits teilgenommen, meist beim Kinderarzt. Im April wird die Studie durch „Fr1da-Plus“ ergänzt: mit einem zweiten Test bei 9- bis 10-Jährigen. So will man auch die betroffenen Kinder erkennen, die beim ersten Test noch unauffällig waren.

Wie wichtig all diese Studien sind, zeigen aktuelle Zahlen. So sind hierzulande rund 30 000 Kinder unter 19 Jahren an Diabetes Typ 1 erkrankt. Jährlich kommen mehr als 2000 kleine Patienten dazu – Tendenz steigend.

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