München – Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle, hat sich erschrocken über die Zunahme antisemitischer Straftaten in Bayern gezeigt. Darauf müsse mit weiteren Anstrengungen reagiert werden, um Antisemitismus gesamtgesellschaftlich zu bekämpfen, erklärte Spaenle gestern in München. Eine Kultur des Hinschauens und entsprechende Reaktionen darauf seien notwendige zivilgesellschaftliche Antworten. So müsse der Staat auch mit aller Klarheit das Strafrecht durchsetzen.
Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) sind in Bayern 2018 deutlich mehr antisemitisch motivierte Straftaten registriert worden. Laut den Zahlen, die dem Sender aus dem Innenministerium vorliegen, verfolgten Behörden insgesamt 219 dieser Straftaten. Das seien knapp 50 Prozent mehr als im Jahr davor. Experten gingen davon aus, dass die Dunkelziffer aber deutlich höher liege. Ein Großteil der Taten werde dem rechten politischen Spektrum zugeordnet, so der BR.
Dieser Anstieg komme nicht völlig überraschend, erklärte Spaenle. „Wir haben leider einen gewissen Anteil an Menschen in unserem Lande, der antisemitisch denkt und entsprechend handelt.“ Das seien zum Teil rechtsextreme, rassistisch denkende Menschen, aber teilweise auch dem linken Spektrum zugehörende Leute, die das Existenzrecht Israels infrage stellten. Zu den Gegnern jüdischen Lebens gehörten zudem Islamisten. Nach Ansicht des CSU-Politikers spielt auch das Internet, das „digitale Nirwana“, eine Rolle. Dort ließen sich Ressentiments und Hass mühelos verbreiten. In Echokammern und Filterblasen verstärkten Gleichgesinnte leicht ihre vorurteilsbeladenen Weltbilder. Tatsachen würden nach Bedarf und Interessenlage verdreht, Nachrichten verfälscht. Aus Ansichten und Posts würden dann rasch Handlungen. Spaenle erhofft sich von der zum 1. April an den Start gehenden Meldestelle für antisemitische Vorfälle in Bayern zusätzliche Erkenntnisse über die Täter, um zielgerichteter reagieren zu können. mm/kna