„Bei uns muss keiner verdursten“

von Redaktion

MEIN DORF Raimund Erhard, 53, lebt schon immer in Kinsau

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Raimund Erhard, 53, ist Landwirt – und er betreibt außerdem einen Ferienhof mit Pferden in der 1000-Einwohner-Gemeinde Kinsau im Landkreis Landsberg. Er lebt dort schon sein ganzes Leben lang.

Herr Erhard, was macht Kinsau lebenswert?

Kinsau ist ein kleines, überschaubares Dorf – man kennt sich einfach. Es gibt viele Vereine, die Blaskapelle und schöne Feste, etwa wenn wir unseren Maibaum aufstellen. Und wir haben eine interessante Terrassenlage auf verschiedenen „Stockwerken“. In Sachen Verkehr liegen wir sehr zentral: Man ist schnell in München, am Ammersee oder in den Bergen.

Was gibt es bei Ihnen alles?

Einen gut sortierten Dorfladen. Eine Tankstelle vor der Nase und eine gute Pizzeria. Dann gibt es noch den Schlosswirt und das Sportheim: Bei uns muss keiner verdursten. Zusätzlich einen Bastelladen und einen genialen Optiker. Und wir freuen uns, dass unser Hausarzt Dr. Wolfgang Reichelt noch praktiziert.

Kinsau ist die südlichste Gemeinde vom Landkreis Landsberg. Fühlt man sich da als „Landsberger“?

Ehrlich gesagt, ist man bei uns eher nach Schongau ausgerichtet, wo man zum Einkaufen oder zum Feiern hinfährt. Das hat mit unserer früheren Zugehörigkeit zum Altlandkreis Schongau zu tun. Das kriegt man so schnell nicht raus.

Kinsau liegt direkt am Lech. Was macht das aus?

Der Lech bietet uns und unseren Gästen eine unglaublich unberührte Natur: Die Lech-auen und der Lechhöhenweg sind beliebte Ziele für Wanderungen. Es gibt auch eine tolle Badestelle beim Sportplatz. Zudem hat der Lech unsere Sprache geprägt: „Lechroanerisch“ ist ein besonderer, eher harter Dialekt, der sich von Ort zu Ort unterscheidet. Im Nachbardorf Apfeldorf reden sie schon ganz anders.

Kinsauer und Apfeldorfer – Freund oder Feind?

Früher verstand man sich überhaupt nicht, da haben sich die Kinsauer und Apfel-dorfer gegenseitig oft gehänselt. Als es die Lechbrücke noch nicht gab, war das ohnehin eine halbe Weltreise. Heute ist das anders: Die Jugendlichen kommen gut klar. Die beiden Gemeinden arbeiten in vielen Dingen eng zusammen, wie etwa bei Schule, Abwasser und Bauhof.

Sportlich stemmen die Kinsauer ja einiges, wie man hört.

Finden wir auch. Die erste Mannschaft vom SV Kinsau steht gerade auf dem vierten Platz der Kreisklasse. Ich hab früher da auch gespielt und betreue heute die Zweite: Ich mache die Aufstellung, hole Trikots vom Waschen oder schaue, dass die Jungs immer was zu trinken haben. Unsere Fußballer verstehen sich prima – auf dem Platz wie im Sportheim: Bei uns spielt sogar der zweite Bürgermeister von Schongau mit.

Interview: Klaus Mergel

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