Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Astrid Leinhas-Grosch, 47, verheiratet, eine Tochter, ist Mesnerin in Waldram, einem Ortsteil von Wolfratshausen.
Seit wann leben Sie in Waldram?
Ich bin hier aufgewachsen. Meine Großeltern kamen in den 1950ern hierher, als der Ort noch ganz jung war.
Wie alt ist Waldram?
2017 haben wir 60. Jubiläum gefeiert. Waldram hat eine kurze, aber sehr intensive Geschichte.
Erzählen Sie…
Im Nationalsozialismus wurden hier Reihen- und Einfamilienhäuser für die Arbeiter aus den Munitionsfabriken in Geretsried errichtet. Nach dem Krieg brachten die Amerikaner im Lager Föhrenwald Zwangsarbeiter unter, später gab es hier ein Camp für „displaced people“, jüdische Holocaust-Überlebende, die auf ihre Ausreise nach Palästina oder Amerika warteten. 1955 kaufte das katholische Siedlungswerk das Lager mit den ursprünglichen Reihenhäusern aus der NS-Zeit. Nach und nach kamen Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Familien mit vielen Kindern und siedelten sich hier an.
Das klingt spannend. Wo kann man mehr darüber erfahren?
Im Oktober hat die Erinnerungsstätte im ehemaligen Badehaus in Waldram eröffnet. Dort wird die Geschichte unseres Ortes lebendig.
Fühlt sich Waldram heute wie ein normales Dorf an?
Wir sind kein typisches Dorf, weil wir eben noch nicht so alt sind. Aber es ist schon dörflich. Waldram hat keinen Durchgangsverkehr. Wir liegen kuschelig an einer einzigen Zufahrtsstraße und haben alles vor Ort, was man braucht – vom Bäcker über Edeka bis hin zu Ärzten, Kindergärten und Grundschule. Das macht es gemütlich.
Sie sind Mesnerin. Was für eine Kirche hat Waldram denn?
Unsere Kirche ist auch noch nicht alt. Sie wurde 1998 geweiht. Mir gefällt sie sehr gut. Sie wirkt warm, mit Klinkersteinen und viel Holz.
Ist es weit nach Wolfratshausen?
Nein. Waldram ist nur durch die natürliche Grenze, den Isar-Loisach-Kanal, von Wolfratshausen getrennt.
Trotzdem fühlt man sich als Waldramer?
Ja. Die meisten „Alt-Waldramer“ verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Viele Familien kamen aus Sudetendeutschland oder dem Egerland. Sie hielten zusammen und haben gemeinsam angepackt.
Ist dieser Geist heute noch zu spüren?
Der Ort ist ziemlich gewachsen, auf fast 5000 Einwohner. Aber die Waldramer sind sehr hilfsbereit und engagiert, finde ich. Egal, ob Alteingesessene oder Zugezogene.
Sind Sie selbst auch ehrenamtlich engagiert?
Ja, das wurde mir so vorgelebt. Ich leite eine Mutter-Kind-Gruppe, bin die Vorsitzende des Sozialkreises Waldram und kümmere mich um das Administrative unseres Eine-Welt-Ladens.
Gibt es in Waldram Veranstaltungen, die Sie nie verpassen?
Ich mag unseren Adventsmarkt, den ich mit organisiere. Wunderschön ist auch unser Frühlingsmarkt am 31. März. Es verkaufen Hobbykünstler und -handwerker. Es gibt Glasbläserei, Holzarbeiten, Schmuck und viele nette Deko-Ideen fürs Osterfest.
Interview: Aglaja Adam