Sparkassenchef distanziert sich von heikler Reise

von Redaktion

Miesbach – Der Prozess um die Miesbacher Sparkassenaffäre neigt sich dem Ende entgegen. Noch acht Verhandlungstage sind angesetzt, ehe am 27. März das Urteil gegen den ehemaligen Sparkassenchef Georg Bromme und Ex-Landrat Norbert Kreidl gesprochen werden soll. Beide sollen mit teuren Verwaltungsrat-Reisen und üppigen Geschenken Geld der Sparkasse und des Landkreises verschwendet haben. Für den dritten verbliebenen Angeklagten sind die Anklagepunkte Untreue und Vorteilsgewährung äußerst unangenehm, denn Martin Mihalovits ist nach wie vor amtierender Chef der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee.

Gestern distanzierte er sich ausdrücklich von einer der teuren Fahrten: Im April 2012 waren 16 Bürgermeister unter anderem mit Bromme, Kreidl und Mihalovits zumeist mit Ehepartnern zu einer „Informationsfahrt“ ins schweizerische Skigebiet Interlaken gefahren. Die drei Tage kosteten über 85 000 Euro, wobei der Landkreis 36 000 Euro übernahm. Einer der Gründe für die Kosten war das teure Essen, das mit elf Flaschenweinen zum Preis von je 124 Euro runtergespült wurde. Obwohl Bromme sein Amt zum Zeitpunkt der Fahrt schon an seinen Nachfolger Mihalovits abgegeben hatte, war er noch der Organisator der Reise. Er habe damals den Eindruck gehabt, so Mihalovits gestern, „dass es sich auch um eine Abschiedsfahrt für Herrn Bromme“ gehandelt habe. Denn dieser habe „ohne sachlichen Grund“ an der Fahrt teilgenommen.

Leider, so der Sparkassenchef weiter, habe er damals „einen offenen Konflikt“ mit dem autoritären Vorgänger gescheut und daher seine Bedenken „verdrängt“. Erst im Bus sei ihm dann „angst und bange“ geworden angesichts der Kosten. Er habe, so resümierte Mihalovits, „gescheut, die Notbremse zu ziehen und die Reise abzusagen“.

Mihalovits ging damit spürbar auf Distanz zur bisherigen Darstellung aller Beteiligten, wonach die Fahrt inhaltlich wichtig gewesen sei, um sich für eine Modernisierung des Skigebiets am Sudelfeld zu wappnen. Die gemeinsame Verteidigungslinie der Angeklagten bekommt so einmal mehr spürbar Risse. Eine Entgegnung Brommes gab es gestern nicht. „Wir denken drüber nach“, sagte sein von der Erklärung überraschter Anwalt. Dem Oberstaatsanwalt Jürgen Rohrmüller platzte am Ende des Prozesstages fast der Kragen: Er habe von Bromme bisher nur Ausflüchte gehört. Er solle endlich in sich gehen und Einsicht zeigen. DIRK WALTER

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